08.11.2006
Kreis Esslingen (adi) - Mehr als 60 Kulturinitiativen
aus dem Landkreis hatten sich um den Ehrenamtspreis "Starke Helfer"
beworben. Nun wurden zehn herausragende Beispiele ehrenamtlichen Engagements
im Kronensaal der Kreissparkasse preisgekrönt. Die Hauptpreise gingen an
das Wendlinger Zeltspektakel, den Kinderkunstverein und die
Dieselstraße in Esslingen.
08.11.2006
KREIS ESSLINGEN: Die zehn mit dem Ehrenamtspreis "Starke Helfer 2006"
ausgezeichneten Initiativen
Menschen, die weit mehr tun, als ihre Pflicht ist. Frauen und Männer, die zum Teil seit Jahrzehnten vorleben, dass Kultur verbindet. Das sind die "Starken Helfer 2006". Zehn bemerkenswerte Initiativen, die ein gehöriges Stück Lebensqualität in ihre Gemeinde bringen und oftmals weit darüber hinaus wirken.
Von Harald Flößer Ein Festival mit Spitzenakteuren und 3000 Besuchern,
das ganz allein von Ehrenamtlichen gestemmt wird - das Zeltspektakel
in Wendlingen ist einmalig in der Region. Wer Hansjörg Fritz am Ehrenabend erzählen hörte, der spürte das Feuer, das noch nach 25 Jahren in den Herzen der Organisatoren brennt. Der Preis tut ihnen auch deshalb gut, weil die Stadt Wendlingen den Festivalplatz verkaufen will. Fritz: "Wir sind überwältigt."
Die Dieselstraße in Esslingen ist ein Phänomen. Mit einem Kulturprogramm der Extraklasse schafft sie seit einem Vierteljahrhundert die Balance zwischen programmatisch Wünschenswertem und betriebswirtschaftlich Notwendigem. "Ohne Kompetenzgerangel und starre Hierarchien, basisdemokratisch", wie Vorsitzende Ursula Witomski betonte. Mit dem Preis wollte die Jury auch ein Zeichen setzen, dass die künftige Unterbringung der Dieselstraße geregelt werden muss.
"Uns geht es nicht um Leistung", erklärte Friedrich Buhro, der Leiter des Kinderkunstvereins Esslingen. "Wir wollen, dass Kinder ihrer Kreativität Ausdruck verleihen können." Bis zu 300 Kinder lernen jedes Jahr in den Kursen sinnvolle Alternativen zu Computer und Glotze kennen. Nach Meinung der Jury ein Angebot, das Kinder von vier bis 13 Jahren in vorbildlicher Weise in ihrer Entwicklung fördert.
Kultur verbindet, wenn es sein muss, sogar weltweit. Dass sich mit Kulturveranstaltungen auch eine große Hilfsaktion starten lässt, haben Christopher Dikel und seine Initiative "ES hilft" eindrucksvoll unter Beweis gestellt: 25 Events brachten 47 000 Euro in die Kasse. Zusammen mit der Hilfe der Esslinger Firma Hengstenberg waren es sogar 77 000 Euro, die den Opfern der Tsunami-Katastrophe zugute kommen.
"So manche Nacht geht dahin, bis sich der Vorhang hebt", erzählte Andreas Weiner von den aufwändigen Proben für das ebenfalls ausgezeichnete Literarische Marionettentheater in Esslingen. Mit nur 28 Plätzen ein Kleinod der Esslinger Kulturszene, das auf eine Idee des früheren WLB-Schauspielers Wilhelm Preetorius zurückgeht.
Ohne ihre 15 ehrenamtlichen Helfer könnte die Städtische Galerie Ostfildern gar nicht existieren. Zur Preisverleihung brachte Leiterin Holle Nann ihren dienstältesten Helfer mit. Günther Walter stellt sich seit 30 Jahren in den Dienst der guten Sache - nur um den Lohn zufriedener Ausstellungsbesucher.
Ausgezeichnet wurden auch die Fördervereine der Esslinger Stadtteilbüchereien Berkheim und Zollberg. Ohne die Mitarbeit von mehreren Dutzend ehrenamtlichen Helfern wären die kleinen Büchereien, die die Stadt aus finanziellen Gründen aufgeben wollte, geschlossen. Steigende Ausleihzahlen beweisen, dass die rührigen Fördervereine mit ihrem Engagement richtig liegen.
"Wir sind Türöffner", beschrieb Christa Blank die Arbeit des Sprachforums Altbach. "Und wir wünschen uns, dass manche Türen noch leichter geöffnet würden." Blank erzählte, wie sie selbst vor 30 Jahren mit Vorurteilen in die Türkei gereist sei und zu ihrer großen Überraschung eine nicht für möglich gehaltene Gastfreundschaft erlebt habe. Motivation genug, um mit 14 weiteren Ehrenamtlichen ausländischen Mitbürgern auf vielfältige Weise Brücken zu bauen.
Kultur in der Provinz - ein Wagnis, mit dem der Veranstaltungsring Denkendorf seit 20 Jahren erstaunliche Erfolge feiert. Die kleine Theatergemeinde zählt 470 Abonnenten. Kein Wunder, bei den engagierten Verantwortlichen. Herwig Tonn nutzte sogar die Preisverleihung dazu, Werbung zu machen für die Highlights der neuen Spielzeit.
Der Esslinger Verein Kultur am Rande hat mit seiner
Arbeit schon vielen Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, wieder ein
neues Selbstwertgefühl vermittelt. Theaterstücke und Kunstprojekte
sind Rettungsanker für Wohnungslose, "die schon nicht mehr an sich
glaubten", wie Vereinschef Werner Bolzhauser eindringlich schilderte. Die
Initiative darf auf weitere Preise hoffen. Sie schaffte es nicht nur in die
Endrunde des vom Land ausgelobten Ehrenamtspreises "Echt gut", sondern
landete nun auch beim Bundeswettbewerb der Sparkassen unter den letzten drei.